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30.03.2011

After the Drips - Once Jackson Pollock exploded painting, anything from petals to pee could wind up on a gallery wall.

http://nymag.com/arts/art/reviews/unpainted-paintings-saltz-review-2011-4/

21.02.2011

das gute leben

Kurzer Auszug aus FREI SIND WIR SCHON von JAN VERWOERT

> > ...von provokativen Gemeinschaften kann man kaum sprechen ohne vom Erbe der
> > Boheme zu reden. Sicherlich ist die Idee der Boheme , genauso wie die Idee
> > vom Genie, Teil eines Künstlermythos, der in die Jahre gekommen ist, weil
> > sich auch die neuen Bürgerlichen heute gekonnt als Boheme inszenieren, um
> > die Banalität ihres besitzständigen Lebensentwurfs zu
> > überspielen.Nichtsdestotrotz drückt sich in dieser Idee weiterhin eine
> > Erfahrung aus, die ihre Bedeutung für die Frage des guten Lebens in der
> > Kunst nicht verloren hat. Zum einen ist das der Sinn für die Theatralität
> > der sozialen Umgangsformen, die Singularität zum Vorschein treten lassen.
> > Ich meine damit das intuitive Verständnis dafür, wie ich eine Pose
> > einnehme, um meine potenzielle Singularität zu vermitteln und im selben Zug
> > andere dazu zu provozieren, ihrerseits Posen einzunehmen, um meiner
> > Behauptung es Potenzials ihrer Singularität entgegenzusetzen.Die
> > bohemistische Pose wird so zum Medium der Provokation und artikulation von
> > Singularität. Da die Pose nur in dem Moment, wo ich sie vor Anderen
> > einnehme, ihre relative Gültigkeit hat und also im Prinzip immer wieder neu
> > aus der gegebenen Si-tuation heraus entwickelt werden muss(denn die
> > routinierte Pose ist eine wenig überzeugende Pose), wird das posieren im
> > Idealfall zu einer Praxis der ständigen Improvisation in Reaktion auf andere
> > . Die Boheme wäre also eine Kultur der wechselseitigen Provokation von
> > momentanen Verkörperungsversuchen von Singularität. In Bezug auf das gute
> > Leben unterscheidet sich die gute von der schlechten Boheme dabei vielleicht
> > gerade dadurch, dass es in der guten mit Humor zugeht und die Pose wirklich
> > als Mittel des sozialen Austausches gepflegt und gefeiert wird.Die gute
> > unterscheidet sich von der schlechten Boheme weiter dadurch, wie sie die
> > Ekstase der Sing. zu feiern versteht. Gute Feiern sind erfahrungsgemäß die,
> > in denen sich alle im Raum irgendwie exponieren, aber so, dass sie mit jeder
> > Pose eine Plattform für alle anderen schaffen und der ganze Abend getragen
> > ist von einem gewissen überschwänglichem Humor der improvisierten
> > Selbstdarstellung. In solchen Momenten erscheint die Koexistenz in der
> > Akademie für Momente problemlos möglich, weil sich alles gegenseitig
> > zugleich die ungebrochene Intensität ihres Wunsches, singulär zu sein , und
> > seine Absurdität vor Augen führen. Diese Art von Karneval feiert die
> > Einsicht, dass alle Teilnehmenden in ihren Wünschen vollkommen gleich banal
> > sind, und lässt durch das Feiern dieser Einsicht zugleich den Wunsch aller
> > in Erfüllung gehen, weil für den Abend alle Posen und Masken singulär
> > sind.Schlechten FEiern fehlt dieser Zug ins Karnevaleske. Hier werden sich
> > zwar auch alle gleich, aber nur weil gleich viel trinken und sich so
> > kollektiv in einen Zustand versetzten, indem die Gegenwart der anderen nur
> > dadurch erträglich wird, dass niemand in diesem Zustand mehr in der Lage
> > ist, etwas zu sagen, was einen Unterschied zwischen den Anwesenden geltend
> > macht.Männerbünde, die traditionell auf solchen Feiern geschlossen werden,
> > sind dementsprechend in der Regel Stillhalteabkommen, in denen sich alle
> > Beteiligten auf eine künstlerische Linie und einen Art des Auftretens
> > einigen, die sie gemeinsam als singulär behaupten.Vor der Provokation
> > anderer Kunst und Ideen schirmt sich die Gruppe ohnehin ab. Das gewährt
> > Schutz , aber um den Preis, dass sich alle gegenseitig kurz halten.Und das
> > kann kein gutes Leben sein.....

29.01.2011

wade in town i will build it!


WADE GUYTON
27. Mai – 21. August 2011 (Eröffnung: Donnerstag 26. Mai 2011)
Grafisches Kabinett Secession Wien














Wade Guyton, Untitled, 2006
http://www.secession.at/

24.01.2011

colour fields



Joe Bradley, untitled, 2006

29.11.2010

Wunderbar, Peter Sauls Iceboxbilder



P. Saul: Icebox Number 7 (1963)

14.11.2010

GV zeigte das Ohr (im Appartment in B.)


tick tack tick tack



03.08.2010

NACHTS SIND ALLE KATZEN GRAU - galerie flut bremen












westphal - wimmer












westphal - puhony












von draussen

























wimmer - draussen












puhony

04.06.2010

16.05.2010

15.05.2010

BECKETT OR NOT TO BE - von Goedart Palm





Samuel Beckett, der Unausdeutbare. Samuel Beckett, der große Schweiger. Samuel Beckett, der Höhepunkt und Überwinder des Existenzialismus. Ist Samuel Beckett nicht literarisch das Schicksal zuteil geworden, das er seinen heillosen Figuren, die so tot wie lebendig sind, existenziell bereitete? Lesen wir seine „Texte um Nichts“ heute nicht bereits wie Zeugnisse eines schal gewordenen Endzeit-Diskurses, hinter dessen Horizont es eben doch weiter geht? Im Übrigen kennen wir sattsam den wohligen Masochismus einer bürgerlichen Kultur, die ihrem künstlerisch inszenierten Bankrott im Theater beiwohnt und dazu zu applaudieren gelernt hat. Beckett blieb von dieser seltsamen Heiligsprechung nicht verschont, obwohl in seiner unhieratischen Welt nichts zu kanonisieren ist.

Es war einmal fundamental anders. Theodor W. Adorno rüstete Samuel Beckett zum Säulenheiligen des Postexistenzialismus auf, bescheinigte ihm die avanciertesten, der „Ästhetischen Theorie“ nach nicht zu überbietenden Kunstmittel, die jede künstlerische Anstrengung danach als vergebliches Unterfangen erscheinen lassen möchten. Adorno-Bashing mag eine spätmoderne Mode einstiger Apologeten sein, aber die angestrengteste Beschwörung des überhistorischen Stands der eigenen philosophischen Produktivkräfte mutet dialektischem Verständnis nach inzwischen selbst so antiquiert an, wie es Adorno keinem geringen Teil der zeitgenössischen Kultur vorwarf. Adorno avancierte nicht zur zeitlosen Mode, sondern wurde Moment der Frustration oder des schlechten Gewissens ewiger Bescheidwisser, deren Wirklichkeit mit Luft in Berührung kam und verkümmerte. Was jenseits kulturindustrieller Vermarktung von einem ehrfurchtgebietenden Chefkritiker bleibt, der selbst Gottfried Benn zu gefährlich erschien, um es auf ein öffentliches Streitgespräch mit ihm ankommen zu lassen, sind vornehmlich einige Sentenzen und eine „minima moralia“, die in ihren permanenten Wiederholungen viel von ihrem einstigen Pathos verloren hat. Dieser kärgliche Befund, diese Entzauberung der je so selbstgewissen Kritik, könnte auch den Verdacht gegen Beckett schüren, lediglich jenen vom Existenzialismus getriebenen Zeitgeist für einen kurzen historischen Moment auf die Spitze getrieben zu haben. Adornos Beckett-Verständnis ist in nuce der Kern seiner ästhetischen Theorie und Becketts Figuren sind die lakonischen Zeugen der negativen Dialektik, in der sich jede Hoffnung in bleiche Erinnerungsspuren auflöst. Hinter dem Endspiel kommt negativer Ästhetik zufolge nichts mehr, der Horizont markiert keine Erwartung mehr, sondern wird zur ewigen Grenze des Irrenden. „HAMM: Und der Horizont? Nichts am Horizont? CLOV das Fernglas absetzend, sich Hamm zuwendend, voller Ungeduld: Was soll denn schon am Horizont sein?“

„Qu’est-ce que la littérature?“ fragte Jean-Paul Sartre 1947 agitatorisch bis kämpferisch, um dem gemäß den humanen Horizont zu bestimmen, der nach der traumatischen Kriegserfahrung noch plausibel ist. „Beckett stellt die Existenzialphilosophie vom Kopf auf die Füße“, lautet Adornos Kernthese, die im Existenzialismus noch eine letzte falsche Versöhnung mit den vorgeblichen menschlichen Freiheitsoptionen wittert. Dabei hatte doch gerade Sartre dieser bürgerlichen Gesellschaft vernichtend bescheinigt: "Die Hölle, das sind die anderen." Auch wenn der inzwischen nach seinen schönen wilden Jahren vorsichtig wieder entdeckte Existenzialismus Katastrophen und menschliche Untiefen kennt, hält er hartnäckig am Selbstentwurf der Freiheit fest, auch noch in den bedrängtesten Situationen, die Menschen den Verdammten dieser Erde, also ihren Nächsten und Fernsten, bereiten. Beckett, der zu Sartre einen eher lädierten Kontakt hatte, zielte dagegen auf alles andere als eine littérature engagée, die nicht nur die Literatur erfüllte, sondern auch den Dichter zu politischem Handeln motivierte und Jean-Paul Sartre noch jenseits des Rentenalters als engagierten Hardcore-Aktivisten auswies. Bei Peter Weiss erreichte „la cause du peuple“ dann einen so denkwürdigen wie hoffnungslos wirklichkeitsversessenen Höhepunkt in seinem 1968 uraufgeführten, paradigmatisch formulierten "Diskurs über die Vorgeschichte und den Verlauf des lang andauernden Befreiungskrieges in Vietnam als Beispiel für die Notwendigkeit des bewaffneten Kampfes der Unterdrückten gegen ihre Unterdrücker sowie über die Versuche der Vereinigten Staaten von Amerika, die Grundlagen der Revolution zu vernichten".

... weiter lesen unter folgendem Link:
http://www.glanzundelend.de/auswahl/palmbeckett.htm

11.05.2010

nach dem "what you see is what you see"














w.dieckhoff:nach dem nihilismus, in: Kunsttheorie im 20. Jahrhundert: Künstlerschriften, Kunstkritik, Kunstphilosophie, Manifeste, Statements, Interviews (HG.harrison, wood)

02.05.2010

Max Bill konkrete kunst

Max Bill

Olympische Ringe, 1970

Farbserigraphie 87 / 92

AG448 81 x 58 cm

konkrete kunst nennen wir jene kunstwerke, die auf grund ihrer ureigenen mittel und gesetzmässigkeiten – ohne äusserliche anlehnung an naturerscheinungen oder deren transformierung, also nicht durch abstraktion – entstanden sind.
konkrete kunst ist in ihrer eigenart selbständig. sie ist der ausdruck des menschlichen geistes, für den menschlichen geist bestimmt, und sie sei von jener schärfe, eindeutigkeit und vollkommenheit, wie dies von werken des menschlichen geistes erwartet werden muss.
konkrete malerei und plastik ist die gestaltung von optisch wahrnehmbarem. ihre gestaltungsmittel sind die farben, der raum, das licht und die bewegung. durch die formung dieser elemente entstehen neue realitäten. vorher nur in der vorstellung bestehende abstrakte ideen werden in konkreter form sichtbar gemacht.
konkrete kunst ist in ihrer letzten konsequenz der reine ausdruck von harmonischem mass und gesetz. sie ordnet systeme und gibt mit künstlerischen mitteln diesen ordnungen das leben. sie ist real und geistig, unnaturalistisch und dennoch naturnah. sie erstrebt das universelle und pflegt dennoch das einmalige, sie drängt das individualistische zurück, zu gunsten des individuums.

Max Bill: konkrete kunst, in: Ausstellungskatalog zürcher konkrete kunst, 1949.

Bitte zu diskutieren. Der Text stammt von der Seite des Museum für Konkrete Kunst, wo es noch mehr input gibt.


28.04.2010

25.04.2010

“The object has not become less important. It has merely become less self-important. “

Robert Morris, installation in the Green Gallery,
New York, 1964. Seven geometric plywood structures painted grey.



http://museum-abteiberg.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1546&Itemid=198

24.04.2010

21.04.2010

17.04.2010

Neue Klasse Deutschland 2010



Ein Kehricht, die Krokusse, und die Lärche, die jedes Jahr ein Woche früher als die anderen grünt, und die Weiden, rot von unaufgefressener Schafsplazenta, und die langen Sommertage und das frisch gemähte Heu und die Ringeltaube morgens und der Kuckuck nachmittags und der Wiesenknarrer abends und die Wespen im Gelee und der Duft des Ginsters und der Anblick des Ginsters und die Äpfel, die fallen, und die Kinder, die durch das Welke Laub laufen, und die Lärche, die sich gelb verfärbt, eine Woche früher als die anderen, und die Kastanien, die fallen, und die heulenden Winde und die Sturzsee, die überm Pier zusammenbricht, und die ersten Kaminfeuer und die Hufe auf dem Weg und der schwindsüchtige Briefträger, der die Rosen der Picardie pfeift, und die Petroleumlampe, und natürlich der Schnee und selbstverständlich der Hagel und ganz bestimmt der Matsch und alle vier Jahre das Februardebakel und die endlosen Aprilschauer und die Krokusse und dann die ganze miese Geschichte, die wieder von neuem losgeht. Ein Scheißdreck. Und wenn ich alles wieder von neuem beginnen könnte, mit dem Wissen, das ich jetzt habe, würde das Ergebnis das gleiche sein. Und wenn ich ein drittes Mal von neuem beginnen könnte, mit dem Wissen, das ich dann haben würde, würde das Ergebnis das gleiche sein. Und wenn ich hundertmal alles wieder von neuem beginnen könnte, jedesmal mit etwas mehr Wissen als zuvor, würde das Ergebnis immer das gleiche sein, das hundertste Leben wie das erste, und die hundert Leben wie eins. Ein Durchfall. Aber es braucht nur so weiterzugehen, und man wird die ganze Nacht hier sein.




Man wird die ganze Nacht hier sein,

Sein wird die ganze Nacht man hier,

Hier sein wird man die ganze Nacht,

Die ganze Nacht sein wird man hier.

Nacht hier, hier wir, wir Nacht,

nur atemstille Schlucht,

die fliehend man durchwacht,

nur Ruhe auf der Flucht.

(Samuel Beckett: Watt)





Jan-Ole Schiemann im NKD am 09.04.2010